Wenn die Schimmelbeseitigung scheitert: vier Fälle aus meiner Praxis

Wenn die Schimmelbeseitigung scheitert: vier Fälle aus meiner Praxis

Ich arbeite seit zwölf Jahren als Sachverständiger für Bauschäden. Ein großer Teil meiner Aufträge kommt von Leuten, die schon eine Schimmelsanierung hinter sich haben. Viele von ihnen sitzen mir gegenüber, weil der Schimmel wieder da ist. Ich führe Buch über diese Fälle. Vier davon schildere ich hier, denn sie zeigen, warum Sanierungen scheitern. Die Fehler wiederholen sich.

In jedem Gutachten beginne ich mit den Grundlagen. Welche Art von Schimmel wächst hier, woher kommt die Feuchtigkeit, wie lange besteht das Problem schon? Für die Kommunikation mit meinen Kunden nutze ich eine klare, allgemein verständliche Quelle. Ich verweise regelmäßig auf die Schimmel ABC offizielle Seite, weil dort die Autoren die Begriffe und Zusammenhänge verständlich erklären. Die Fälle in diesem Artikel zeigen, was passiert, wenn diese Grundlagen vernachlässigt werden.

Der Sanierer, der nur die Oberfläche behandelte

Eine Familie rief mich wegen einer Mietwohnung in einem alten Reihenhaus an. Der Schimmel saß in der Schlafzimmerecke, hinter dem Kleiderschrank. Eine Sanierungsfirma hatte die Stelle zweimal mit Chlor behandelt und neu gestrichen. Nach sechs Wochen war der Befall wieder da. Ich maß die Wandfeuchte mit einem Messgerät. Der Putz zeigte einen Feuchtegehalt von 18 Prozent, das ist deutlich zu hoch. Die Ursache lag außen: Das Fallrohr der Regenrinne war undicht, genau hinter dieser Wand. Keine Chemikalie kann das beheben. Wir reparierten das Rohr, trockneten die Wand acht Wochen lang und ließen sie danach sanieren. Seitdem blieb der Schimmel weg. Eine Messung hätte der ersten Firma nicht viel Zeit gekostet.

Das Schlafzimmer mit den kalten Fensterlaibungen

Ein Paar rief mich wegen Schimmel an den Fensterlaibungen im Neubau an. Jeden Winter bildete sich schwarzer Belag, besonders in der oberen Ecke. Der Fensterhersteller sagte, die Mieter lüfteten zu wenig. Die Mieter sagten, die Fenster seien schlecht. Beide lagen teilweise richtig. Ich maß die Oberflächentemperatur der Laibung. Bei minus 5 Grad außen hatte sie nur 12 Grad. Der Taupunkt der Raumluft lag höher, der Wasserdampf kondensierte genau dort. Mehr Lüften allein hätte das Problem verringert, aber nicht gelöst. Die Laibung brauchte eine Dämmung, und für die Übergangszeit stellten wir einen Luftentfeuchter auf. Ein Jahr später war die Stelle sauber.

Der Vermieter, der den Mieter nicht einbezog

Ein Vermieter einer Souterrainwohnung beauftragte eine Firma mit der Entfernung von Schimmel im Bad und im Flur. Die Firma arbeitete sauber, die Wände wurden trockengelegt, das Ergebnis sah gut aus. Nach drei Monaten kam der Schimmel zurück. Der Mieter hatte nichts an seinem Verhalten geändert, weil ihm niemand erklärte, was sich geändert hatte. Ich setzte mich mit ihm zusammen. Der Kleiderschrank stand an der Außenwand, das Sofa verdeckte die halbe Heizung. Wir rückten die Möbel, die Luft konnte wieder zirkulieren. Die Kosten für diese Maßnahme lagen bei null. Ein halbes Jahr später war die Wand sauber. Der teuerste Fehler in diesem Fall war das fehlende Gespräch.

Der Neubau mit dem unsichtbaren Bauschaden

In einem kleinen Bürogebäude, das erst zwei Jahre alt war, trat Schimmel im Dachgeschoss auf. Der Bauherr beschuldigte den Nutzer, der Nutzer beschuldigte den Bauherrn. Ich untersuchte die Dachkonstruktion und fand die Dampfbremse an zwei Stellen unterbrochen. Die Verbindungen waren nicht abgeklebt, der Handwerker hatte sie schlicht vergessen. Feuchte Luft aus den Büroräumen drang in die kalte Dachschicht, kondensierte dort und ließ den Holzwerkstoff verschimmeln. Die Sanierung dauerte zwei Wochen. Die Ursache lag aber im Planungsfehler. Solche Fälle sehe ich häufiger, seit Gebäude immer luftdichter gebaut werden.

Was ich aus diesen Fällen mitgenommen habe

Ich könnte weitere Beispiele nennen, aber diese vier decken die Muster ab, die mir am häufigsten begegnen. In den meisten Fällen, die ich gesehen habe, ist Schimmel ein Symptom. Die eigentliche Krankheit heißt Feuchtigkeit, und die hat viele Ursachen. Wer nur das Symptom behandelt, darf sich nicht wundern, wenn es wiederkommt. Meine Empfehlung an Hausbesitzer und Vermieter lautet:

  • Feuchte messen lassen, bevor man saniert. Eine Messung kostet wenig, eine falsche Sanierung viel.
  • Die Feuchtigkeitsquelle finden. Schimmel ohne Feuchtigkeitsquelle ist selten.
  • Den Nutzer einbeziehen. Eine Sanierung ohne Hinweise zum Verhalten scheitert oft.
  • Die Bausubstanz prüfen lassen. Nicht jeder Fleck stammt aus dem Raum selbst.

Wer diese Punkte ernst nimmt, spart sich den zweiten Anruf beim Sachverständigen. Ich habe in zwölf Jahren keinen Fall gesehen, in dem eine Sanierung dauerhaft erfolgreich war, ohne dass jemand die Quelle gefunden hat. Beginnen Sie also mit der Messung, nicht mit dem Sprühen. Das ist der Rat, den ich jedem Kunden am Ende mitgebe.